Zwischenspiel – Rassismus in Bahia

Antônio Natalino Dantas, Koordinator des Studiengangs Medizin und Professor an der medizinischen Fakultät der Universidade Federal da Bahia (UFBA), hat das schlechte Abschneiden der UFBA beim Exame Nacional de Desempenho de Estudantes (Enade) damit erklärt, dass die Einwohner Bahias einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten aufweisen:

O resultado ruim (referindo-se a nota 2 obtida pelo curso no Enade) é por causa do baixo QI dos alunos. É uma coisa que precisa ser desmistificada essa suposta inteligência do baiano. Isso não existe.
É uma mistificação essa história da inteligência do bainao. Ao contrário, há até deficiência.
O baiano é uma pessoa igual a qualquer outra, mas talvez tenha déficit em relação a outras populações. Não temos aquele desenvolvimento que poderíamos ter. Se comparados com os estados do Sul, vemos que a imigração japonesa, italiana e alemã foram excelentes para o país. Aqui ficamos estagnados.

IQ Bahia

(Das schlechte Abschneiden [am Enade] lässt sich zurückführen auf den niedrigen IQ der Studenten. Man muss die vermeintliche Intelligenz des Einwohners von Bahia entzaubern. Sie existiert nicht. Die Geschichte von der Intelligenz des Einwohners von Bahia ist eine Legende. Im Gegenteil, es gibt sogar ein Defizit. Der Einwohner Bahias ist eine Person wie jede andere auch, aber vielleicht besitzt er ein Defizit im Vergleich zu anderen Volksgruppen. Wir haben nicht den Entwicklungsstand, den wir haben könnten. Wenn wir uns mit den Staaten im Süden [Brasiliens] vergleichen, sehen wir, dass die Einwanderungswellen aus Japan, Italien und Deutschland ausgezeichnet für das Land waren. Hier [in Bahia]finden wir Stagnation.)

Ironischerweise ist Natalino selbst aus Bahia und hat in den 1960er Jahren seinen Abschluss auch an der UFBA gemacht. Im Weiteren äußert er sich kritisch gegenüber den Quoten für Schwarze an den Universitäten und gebraucht dafür das unschöne Wort “Kontamination” (was ihm natürlich auch in Brasilien sofort den Vergleich mit einem gewissen Herrn Hitler eingebracht hat). Selbstverständlich hält er sich nicht für einen Rassisten:

Não sou racista; se eu fosse, diria. Sou médico e boa parte das pessoas que atendo são “gente de cor” [sic]. Minha secretária também é (de cor); se fosse racista não escolheria.

(Ich bin kein Rassist; wenn ich es wäre, würde ich es sagen. Ich bin Arzt und ein guter Teil der Personen, die ich behandle, sind “von Farbe”. Meine Sekretärin auch; wenn ich Rassist wäre, hätte ich sie nicht ausgewählt.)

Natalino findet auch noch mehr Belege für die mangelnde Intelligenz der hiesigen Bevölkerung, indem er etwa die traditionelle Musik als “Lärm” verunglimpft. Natürlich hat er in diesem Zusammenhang auch einiges zur Berimbau zu sagen:

E o berimbau é um tipo de instrumento do individuo que tem poucos neurônios, porque tem uma corda só. E não precisa de muita cerebração para as combinações musciais. …. Só sai aquele barulho, ‘pu pu pu pu pu pu’. Isso por acaso indica quali- dade intelectual muito elevada? Não.

Berimbau & neurônios

(Und die Berimbau ist eine Art von Instrument, wie es jemand mit wenigen Hirnzellen spielt, denn sie hat nur eine Saite. Man braucht nicht viel Denkleistung für musika- lische Kombinationen. Es kommt nur irgendwelcher Lärm zustande “pu pu pu pu pu pu”. Das soll gehobene intellektuelle Qualität darstellen? Nein.)

Natürlich hat Natalino selbst noch nie ein Rhythmusinstrument angefasst, aber das ist ja schließlich auch Geschmackssache:

Não sou obrigado a gostar de berimbau. O que eu disse é que é um instrumento primitivo, que só toca uma nota só. Gosto de piano e violino.

(Ich bin nicht verpflichtet, die Berimbau zu mögen. Was ich gesagt habe, ist, dass sie ein primitives Instrument ist, das nur einen einzigen Ton spielt. Ich mag Klavier und Geige.)

Die Aufregung hier ist groß, die Sache wird als großer Skandal behandelt. Die Anklage lautet auf Rassismus. Sollte Natalino verurteilt werden, muss er möglicherweise ins Gefängnis. Wer weitere Infos lesen oder das gesamte Interview anhören möchte, sei auf die Links am Ende der Seite verwiesen. Wer Verbesserungsvorschläge für die Übersetzungen hat, schreibt mir. Bald gibt es hier auch wieder Erfreulicheres zu lesen!

http://noticias.terra.com.br/educacao/interna/0,,OI2858408-EI8266,00-Professor+atribui+baixa+nota+do+Enade+ao+QI+dos+baianos.html

http://blogdolatinha.blogspot.com/2008/05/preconceito.html

http://www.correiodabahia.com.br/aquisalvador/noticia.asp?codigo=152791

~ by b0lacha on May 1, 2008.

One Response to “Zwischenspiel – Rassismus in Bahia”

  1. Und ich dachte schon, bei uns seien sie hier total verrückt. Ich weiß nicht, wie viel du mitbekommen hast, aber des war zumindest für Hamburg und Berlin mal wieder ein 1. Mai von bester Qualität. Straßenschlachten in Hamburg, Angriff auf den Polizeipräsidenten in Berlin und weil sich die lieben Beamten wohl nicht ganz entscheiden können, wer der Böse ist, schützen sie mal die eine Seite, dann wieder die andere. Hat was von Pingpong. Und als kleines Sahnehäubchen hat Berlin pünktlichst zum 1.Mai eine Rudi-Dutschke-Straße bekommen. Die wo ist? Genau. Am Axel-Springer-Haus. ;) Wenn das kein gefundenes Fressen für die ewigen Anhänger der 68er ist.

    Ich bin ja mal gespannt ob der Herr verurteilt wird. Ansonsten kann er sich den Hamburger Rechten anschließen und Regionalbahnen kapern um über die Lautsprecher den niedrigen IQ seiner Landsleute propagandieren.

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