Arbeit im Labor?

Ich muss sagen, dass ich mich das erste Wochenende in São Paulo überhaupt nicht wohl gefühlt habe. Genauer gesagt, die ersten zweieinhalb Tage. Virtuelle Kekse für alle, die erraten, was Montag Mittag passiert ist…!

Im Labor bin ich die meiste Zeit damit beschäftigt, den anderen den Sauerstoff wegzuatmen und einen der heißbegehrten Stühle vor den internetfähigen Computern zu besetzen. Da ich bei Senhora Margarida natürlich kein Internet habe, ist mir das gerade recht (auch, wenn ich Orkut nicht benutzen kann, weil die Seite aus wirtschaftlichen Gründen an der Universität gesperrt ist). Mittlerweile habe ich auch erstmal aufgehört, nach Arbeit zu fragen. Es ist ja auch nicht unbedingt so spannend, anderen beim Durchführen von Experimenten zuzusehen, und Platz gibt es so oder so keinen. Von der Idee, dass sich gewisse Professoren zuvor Gedanken über den Sinn der ganzen Sachen gemacht haben, habe ich mich schon längst verabschiedet. Die Laborbelegschaft hat mir versichert, dass es ab Juni mehr Platz und mehr zu tun gibt, nachdem der Umzug durchgeführt wurde. Allerdings hat der Professor wörtlich gesagt, er hoffe, dass der Umzug Anfang Juni sei. Unter Berücksichtigung der üblichen Verspätungszeiten in Brasilien habe ich also bis Goiânia nichts zu tun.

Dafür gibt es am Institut für Biologie, das 30 min zu Fuß entfernt ist, die Möglichkeit, mit Affen zu arbeiten. Und ja, es handelt sich um dieselbe Spezies, die in Salvador frei herumspringt, und die ich dort noch beobachten (und photographieren) konnte.

Mit den Affen kann man aber nur drei Tage in der Woche arbeiten, also stelle ich mich mal auf viel Freizeit ein, was mir ehrlich gesagt, sehr entgegenkommt. Auch, wenn böse Zungen im Labor schon behaupten, dass mir das Capoeira viel wichtiger zu sein scheint. Aber wenn es im Labor für mich sowieso nichts zu tun gibt, warum soll ich zwölf Stunden pro Tag dort herumsitzen? So interessant ist das Internet auch wieder nicht (das Lesen wissenschaftlicher Artikel übrigens auch nicht). Aber mal abwarten, vielleicht freue ich mich ja auch zu früh.

Es gibt hier auch noch mehr interessante Tiere als die Büscheläffchen. Jo zum Beispiel, der Hund der Sekretärin. Er ist ein Golden Retriever und ausgewiesener Krankenhaushund, was bedeutet, dass er eine ID-Karte mitsamt seinem Konterfei und seinem Pfotenabdruck um den Hals trägt (die brasilianischen IDs zeigen neben dem Photo auch den Daumenabdruck). So darf Jo ins Krankenhaus und spielt zusammen mit fünf anderen Hunden mit schwerkranken Kindern. Natürlich liebt die gesamte Belegschaft den goldbefellten Wonneproppen… und der lässt sich die Streicheleinheiten sehr gefallen.

Außerdem ist da noch Xico. Xico ist ebenfalls ein Affe und lebt im biologischen Institut. Er ist dort abgegeben worden, nachdem er 30 Jahre in Gefangenschaft bei Menschen (genauer gesagt: seinem Frauchen) gelebt hat. Deswegen kann er auch weder ausgewildert noch im Zoo untergebracht werden (er ist die Anwesenheit von Artgenossen nicht gewöhnt und kann sich auch sein Futter nicht selbst besorgen). Männern steht er durchaus misstrauisch gegenüber und verhält sich bei der Anwesenheit auch alles andere als freundlich. Bei Frauen ist das natürlich ganz anders; da drückt er sich, so stark er kann, an die Käfigwand, um möglichst ausgiebig gekrault zu werden (komischerweise sind aber alle außer mir dagegen, dass er dabei masturbiert. Ich glaube, dass auch Affen ein Recht auf ein gesundes Sexualleben haben…)

Die Weißbüscheläffchen dürfen auch aus den Käfigen heraus und (wortwörtlich zu verstehen) auf den Menschen herumspringen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, eine Tollwutimpfung gemacht zu haben, denn Loira liebt es, mir ins Ohr zu beißen… auch die Kleinen lernen schon recht früh, ihre Zähne zu gebrauchen!

~ by b0lacha on May 23, 2008.

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