Essen hält Leib und Seele zusammen
Schon wieder ein Eintrag übers Essen… aber keine Sorge, ich trainiere hier ja auch noch nebenbei, daher ist die Gefahr nicht so groß, dass ich in Zukunft doppelt so große Abadás (Capoeira-Hosen) brauche. Außerdem habe ich letzte Woche meine letzte Ration an Laktase-Substitution verbraucht, also kann ich sowieso das meiste nicht mehr essen und muss mich von Früchten, Churrasco und Sushi ernähren… was für ein hartes Schicksal. In Anbetracht der Tatsache, dass wir mit dem Labor demnächst Pizza essen gehen wohl, ist es natürlich tragisch, aber die Leute hier mögen Pizzaränder auch nicht, ich werde also nicht verhungern.
Pizza ist hier übrigens auch sehr beliebt, was wohl zu einem großen Teil der italienischen Immigartion geschuldet ist. Allerdings gibt es einige brasilianische Eigenheiten, was die Beläge angeht. Man muss ja nichts zwangsläufig auf jede runde Teigscheibe erstmal Tomatensoße streichen; wenn man einfach nur den Teig nimmt, was spricht dann dagegen, ihn süß zu belegen? Zu den Favoriten (nicht unbedingt meinen) zählen also Banane mit Zimt, Ananas, Goiabada oder auch Brigadeiro. Mittlerweile habe ich es mir abgewöhnt, zu sagen, dass man etwas unmöglich kombinieren könnte. Unglaublich viele Leute hier lieben es, verschiedene kräftige Käsesorten mit süßen Aufstrichen wie etwa doce de leite oder goiabada zu kombinieren. Da man ja nicht lästern soll, bevor man es probiert hat, kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass ich lästere, weil ich probiert habe. Mein Fall ist es nicht, was aber auch vielleicht daran liegt, dass ich mit doce de leite beispielsweise nicht viel anfangen kann (von nahezu epileptischen Konvulsionen nach dem Verzehr hatte ich ja bereits berichtet).

Der Verlust der Süßigkeiten schmerzt also nicht so furchtbar. Dafür tut es mir aber umso mehr leid, dass ich weder Eis noch vitaminas (Fruchtpüree mit Milch) zu mir nehmen kann, die sind nämlich wirklich lecker. Zudem fällt ja auch alles weg, was mit Käse zubereitet wird, und das ist eine Menge, zum Beispiel pão de queijo oder auch pão de batata, das meist eine Käsefüllung besitzt. Von den Sandwiches fange ich besser nicht an…


Dafür kann ich in der Mensa ungehindert essen, es gibt nämlich jeden Tag dasselbe (milchlose) Gericht: Reis mit Feijão, wahlweise Fleisch oder Huhn (… für das, was sich hier Vegetarier schimpft; man kann aber auch Spiegeleier bekommen), eine weitere Beilage, Salat (der hier kräftig gesalzen wird… man braucht ja auch kein anderes Gewürz) und einen Nachtisch, der entweder aus einem Apfel, einer Orange oder einem Schälchen Götterspeise besteht, welche hier sehr beliebt ist (“Das ist gesund, da sind so viele Proteine drin!”). Sogar die alte Dame, bei der ich wohne, schwört darauf. Es muss ja alles gesund und kalorienarm sein. Sie ist auch fest davon überzeugt, dass Vollkornnudeln weniger Kohlenhydrate enthalten als normale Weizennudeln… halte nur ich das für völlig unsinnig? Ich kann mir ja vorstellen, dass sie andere Kohlenhydrate enthalten, aber dass sie insgesamt deutlich weniger aufweisen, kann ich mir nicht vorstellen.
Als ich einen Kuchen fürs Labor gebacken habe, habe ich festgestellt, dass einige Früchte doch schwer zu bekommen sind. Für Donauwellen braucht man nämlich doch einige Kirschen. Zum Glück gibt es ja eine sündhaft teure Ladenkette, Pão de Açucar, in der man wirklich vieles bekommt, wie zum Beispiel teure Importschokolade (eine Tafel Lindt für mindestens 12 R$) oder eben Kirschen. Leider ist der Kuchen nicht so ganz gelungen, weil ich überhaupt nicht davon ausgegangen bin, dass Gasherde anders funktionieren als elektrische (“Ich backe das immer bei 180°C!”). Aber nach ein paar Tagen herumstehen hat er sich ganz gut entwickelt (nein, er hat keine bunten Pilzkulturen angesetzt) und wurde freudig verzehrt. Er war für das Churrasco gedacht, dass es einmal im Jahr im Garten des Professors gibt. Ein sehr hübscher Nachmittag, aber im Nachhinein betrachtet… ich habe eine Batizado dafür ausfallen lassen, um den üblichen Smalltalk zu betreiben (“Nein, es ist auch in Deutschland warm… ja, es gibt Strand in Deutschland… nein, ich hasse Bier und mag auch Fußball nicht sonderlich… ich habe auch keine Ahnung von Wurst…”) und mir ganz witzige Leute anzuschauen, die versucht haben, Capoeira nachzuäffen. Es hat vermutlich nicht geholfen, dass ich die vier Nächte vor dem Churrasco nicht schlafen konnte und zudem noch mit einigen Leuten im Labor gestritten hatte. Aber immerhin gab es wieder gutes Essen in Hülle und Fülle. Mein Favorit unter den Getränken war der Maracujaroska, der aus der Maracuja-Schale selbst getrunken wird (Caipirinha = mit Pinga, Caipirroska = mit Wodka, Frucht-roska = andere Früchte als Limone).
Habe ich erwähnt, dass ich hier bereits vier verschiedene Maracuja-Sorten gefunden habe? Ich muss mir unbedingt dieses sündhaft teure Buch “Frutas brasileiras” zulegen, das furchtbar dick ist und zu jeder Frucht zwei Photos (mit und ohne Schale) und eine einseitige Beschreibung enthält.


Also süße Pizza kannte ich bis dato noch nicht. Es ist aber eine interessante Idee.
Pizza süße…erste Assoziation: Hawaii mit Ananas. Aber Banane/Zimt? Igitt.
Hab da übrigens was für dich gefunden.