Zwar bin ich mittlerweile in São Paulo, aber weil noch einige Einträge zu Salvador ausstehen, kommen die der zeitlichen Abfolge zuliebe zuerst.
Am 21.04. ist hier ein Nationaleiertag namens Tiradentes. An diesem Feiertag wird der Hinrichtung des Nationalhelden Tiradentes gedacht, der einer Verschwörergruppe (Incônfidencia Mineira) angehörte, die für die brasilianische Unabhängigkeit von Portugal und die Abschaffung der Sklaverei kämpfte.
Jedenfalls haben wir den freien Tag genutzt, um den Abend in Pelourinho zu verbringen. Dazu fährt man mit dem Bus bis zum Mercado Modelo, der auch und vor allem Touristen mit typischen Souvenirs versorgt, nimmt dann für fünf Centavos den Elevador Lacerda bis nach Pelourinho. Der Aufzug verbindet seit 1873 die obere mit der unteren Stadt und ist etwa 85 m hoch. Leider ist der Aufzug geschlossen und man kann die Aussicht erst nach Ankunft am Palacio Municipal bewundern.
In Pelourinho werden nicht einmal mehr die Einheimischen von den Bettlern und Verkäufern in Ruhe gelassen. In jedem Fall gibt es aber in Pelourinho einige schöne Ansichten zu bewundern.
Zurück nach Barra haben wir dann den Bus genommen. Auf die rasante Fahrtweise der Busfahrer muss ich wohl nicht besonders hinweisen. Mich hat nur zum charakteristischen Augenbrauenhochziehen gebracht, was im Rückfenster eines Busses zu lesen war: “Fahr langsam- vermeide Unfälle!”
Neben dem Bus ist eigentlich das Taxi das einzige Verkehrsmittel, auf das man zurückgreifen kann. Oder man bittet Bekannte, die ein Auto haben… natürlich sollte das längst anders sein, denn in Salvador wird eigentlich an einer Zuglinie gebaut (die 2004 hätte fertiggestellt werden sollen). Im Moment laufen die Gleise ins Leere und die Fertigstellung ist noch einmal auf das übernächste Jahr verschoben worden.
Salvador ist mit knapp 3,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Brasiliens, nach Rio de Janeiro und (wer hätte das gedacht?) São Paulo. Als Haupttadt Bahias und auch erste Hauptstadt Brasiliens (bis 1763) ist Salvador auch historisch interessant; übrigens wurde Bahia am 2. Juli 1823 unabhängig (mein Geburtstag bedeutet also endlich auch etwas…). Der momentane Governeur steht heftig in der Kritik, da in seiner Amtszeit vor allem die öffentliche Sicherheit vernachlässigt wurde, was natürlich insbesondere den Tourismus gefährdet. Die nächste Wahl findet 2009 (?) statt, und die meisten Leute sind sich sicher, dass eine Wiederwahl ausgeschlossen werden kann…
Das Wetter war übrigens in der letzten Woche nicht sonderlich gut, da es ständig geregnet hat. Und hier ist der Regen wirklich heftig… und eine gute Ausrede für alles. Keiner macht bei Regen einen Schritt nach draußen, wenn er es vermeiden kann.
Dummerweise bedeutet Regen dann auch, dass der Strandbesuch für denselben und den nächsten Tag ausfällt, da die heftigen Regengüsse einen Großteil des städtischen Schmutzes an den Strand spülen. Im Endeffekt fiel damit der Strandbesuch letzte Woche einfach weg. Aber noch ist ja genügend Zeit, dem schokobraun entgegenzustreben! Tatsächlich war ich gar nicht mehr am Strand… das Wetter war dafür nicht gerade ideal, außerdem durfte ich mich noch eine Woche mit einer “Virose” im Bett vergnügen. Übrigens konnte man auch beim Flug nach São Paulo sehen, wie heftig es in den letzten Tagen in einigen Küstengebieten geregnet hatte: Überall reichten braune Schlammlachen kilometerweit ins Meer.
Dann komme ich wieder auf eines meiner Lieblingsthemen hier: Essen! Wirklich gut ist hier, neben allerlei Fisch- und Meeresfruchtgerichten das Eis, das es als Kugel (sorvete) und am Stiel (picolé) gibt. Auf jeden Fall gibt es jeden Menge interessante Sorten; nicht nur diverse Früchte, sondern auch etwa “Grüner Mais” und “Tapioka”. Woher die Ovomaltine-Sorte kommt, will ich gar nicht wissen…
Da ich mir meine Bemerkungen zu diversen Früchten doch nicht verkneifen will: Die Orangen hier haben eine wesentlich dünnere Schale, die grün-gelb gefärbt ist, und sind auch viel süßer als bei uns. Meine Beschreibung einer “deutschen” Orange wird hier als Mandarine verstanden.
Bananen gibt es in diversen Sorten (“Ach, so an die zehn werden’s schon sein!”), wobei mein Favorit die bereits erwähnte Kochbanane ist, die es eben entweder gekocht oder frittiert morgens zum Frühstück gibt. Hübsch anzusehen ist auch die banana roxa (lilafarbene Banane).

Wenn wir gerade beim Essen sind: Wir waren auch schon in einer Churrascaria, in der man sagenhaft günstig (für deutsche Verhältnisse) und auch wirklich gut essen kann. Im Preis sind inbegriffen: Alle Fleischgerichte, alle Fischgerichte, die Salatbar und alle Beilagen (und zu meiner Freude: frittierte Bananen!). Das heißt im Endeffekt, dass man nur Getränke und Süßkram noch zusätzlich zahlen muss. Das Fleisch (Rind, Schwein, Huhn) wird an den Tisch gebracht und man auf kleinen Kärtchen nachsehen, aus welchem Tierkörperteil es herausgeschnitten wurde. Auch Lachs, diverese Nudelgerichte, Meeresfrüchte, Sushi, Sashimi und Paella gehören dazu… das nächste Mal werde ich den ganzen Tag nichts essen, um noch mehr davon zu haben! Danach hatte ich auch nur einen halben Tag lang Bauchschmerzen, es hat sich also wirklich gelohnt…
Im ersten Eintrag hatte ich ja schon die enthemmende Wirkung des Wetters auf den Kleidungsstil (1 cm mehr als Unterwäsche ist völlig ausreichend) erwähnt. Insgesamt konnt ich doch schon einige Ängste hier effektiv abbauen (nein, von Riesengeißelspinnen bin ich noch nicht angegriffen worden… aber ich will ja bei einem anderen Brasilien-Aufenthalt gern mal in den Amazonas).
Für die Churrascaria habe ich eine Reservierung geschafft (es ist ja allgemein bekannt, dass mir der erste Telephonanruf in einer fremden Sprache sehr missfällt) und es hat sehr gut geklappt.
Die nächste Mutprobe war mehr oder minder unfreiwillig. Sagen wir es mal so: Es ist im Allgemeinen keine gute Idee, sich auf Gruppenkaraoke einzulassen, dann auf der Bühne weder Text noch Melodie hinzubekommen und dann von einer Horde Brasilianer, deren Stimmung zerstört wurde, von der Bühne gebuht zu werden… dann wiederum… eigentlich war’s ziemlich lustig. Was ich nun aber gar nicht begreife, sind diejenigen Leute, die aus rein freundschaftlichen Gründen tapfer darauf beharren, es sei so grausam ja gar nicht gewesen… All denjenigen, die mit dem Verfasser eines Artikels in der hiesigen Zeitung (“Die stärkste Angst des Menschen ist die vor dem Tode, die zweitstärkste die vor einem öffentlichen Vortrag”) übereinstimmen, sei besagte Karaoke-Übung empfohlen! Es geht doch nichts über öffentliches Versagen zur Festigung der Persönlichkeit (it builds character, Calvin!)













